Gedser entdecken!
Maybritt Hansen, Berlin
Die Fähre von Rostock läuft in den Hafen von Gedser ein. Man steigt ins Auto und fährt von der Fähre, durch die Passkontrolle. Sieht noch das Ortsschild von Gedser auf dem weg in den Dänemark-Urlaub. So sieht sicherlich der Urlaubsanfang für viele Deutsche aus, der erste Kontakt mit Dänemark ist der Ort Gedser. In der Erinnerung bleibt nur der Ortsname und das die Fähre dort anlegt. Schade, weil es in Gedser viel zu entdecken gibt, wenn man die Zeit dafür hat.
Groß ist Gedser nicht, knapp 1000 Einwohner hat der südlichste Ort Dänemarks an der Ostsee. Eine besinnliche Ruhe herrscht hier. Die Einwohner machen die Gartenarbeit, gehen mal kurz einkaufen bei SuperBrugsen, dem einzigen Supermarkt, stehen an der Ecke und tauschen die neuesten Erlebnisse aus. Fahren mit dem Rad durch Langgade zum Strand....,Alltag in Gedser!
Wer sich die Zeit nimmt kann vieles in diesem kleinen Ort erkunden, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Fahrrad ist sowieso ein "Muss" in Dänemark, es ist das tägliche Transportmittel für jedermann. Hier lässt es sich auch hervorragend fahren, weil alle Autofahrer die Radfahrer respektieren und es (fast) immer besonders breite Fahrradwege gibt.
Wir beginnen unsere Tour durch Gedser an der Südspitze. Hier befindet sich der Südstein (Sydstenen). Nur zu Fuß ist der Stein erreichbar. Der Stein ist Markierung des südlichsten Punktes von Dänemark. An der Südspitze kann man immer noch die Reste deutscher Bunker vom zweiten Weltkrieg sehen. Die sonst so ruhige Ostsee frisst sich Jahr für Jahr ins Land hinein. Nur wenige hundert Meter entfernt finden wir den Leuchtturm (1801 erbaut), ein "Muss" für jeden Besucher. In den Sommermonaten kann man den Turm besichtigen, an klaren Tagen ist die Sicht von oben so gut, dass man mit bloßem Auge bis zur Insel Lolland sehen kann. Auch an Sommertagen kann es sehr windig sein an der Südspitze von Falster, also immer einen Pullover dabei haben.
Fahren wir weiter entlang der Küste, Richtung Ortseingang. An der Staße hängt ein Schild "Drejergaarden" , eine der letzten zwei Holzdrechslereien in Dänemark. In dem schönen alten Bauerhof werden die dort hergestellten Holzarbeiten verkauft. Einen einzigartigen Einblick in die Werkstatt des Drechslers bekommt man hier. Das Handwerk des Drechslers stirbt leider in Dänemark aus. Kaum zu glauben, wenn man die wunderbaren Holzarbeiten sieht.
Mittten im Ort, unübersehbar, die Kirche, leider ist sie jetzt nicht mehr öffentlich zugänglich (vor Jahren war die Tür tagsüber immer offen) und kann nur beim Gottesdienst besichtigt werden. P.V. Jensen-Klint war hier der Architekt für das Bauwerk. Es ist sozusagen der "Probebau" für die spätere Grundtvigskirche in Kopenhagen.
Laut einer alten Sage sollte keine Kirche in Gedser gebaut werden, da sie von einer Sturmflut weggespült werden würde. Nun wie man sieht, wurde 1914 trotzdem mit dem Bau begonnen. Sie ist jedoch immer noch nicht fertig, weil die Maurer den letzten Stein nie einfügten!
Setzen wir unsere Tour fort. Biegen wir in die Skolegade (Schulstrasse) ein. In dem Gebäude der heutigen Bibliothek befand sich vor vielen Jahren die örtliche Schule. Sie wurde jedoch zu klein und man baute eine neue Schule ausserhalb Gedsers. Bei der Bibliothek befindet sich das Schwarze Museum. Hier findet man eine beachtliche Lokalgeologische Sammlung. Was man alles an den Küsten Falsters finden kann, sieht man hier.
Wer sich für alte Loks interessiert wird auch in Gedser fündig. Die alte Eisenbahnremise aus dem Jahre 1886, nicht weit von Bahnhof, ist heute ein Museum mit alten Loks und Eisenbahnwagen.
Will man einen Blick von oben auf den Ort werfen, ist der Wasserturm, genau richtig. In den letzten Jahren haben die Bewohner in Gedser den örtlichen Wasserturm restauriert. Der Wasserturm 1912 erbaut, diente der Wasserversorgung in Gedser bis 1966. Jahre lang verfiel das Bauwerk, bis 1994 einige Bürger die Initiative ergriffen und eine Renovierung begannen. 1997 konnte man den Wasserturm wieder besichtigen. Er steht jetzt in hellem Gelb und ist ein zusätzliches Wahrzeichnen für den Ort.
Am Ortsende, angelangt finden wir den alten Kaufmannshof. Hier wird Keramik ausgestellt und verkauft. Unweit biegen wir nach links ab und kommen zum Yachthafen.
Man merkt überall die Ostsee, der frische Wind, der schon nach Meer riecht. Die Fähren, die in den Hafen einlaufen. Der Fischerei- und der Yacht- Hafen geben Gedser ein besonderes Flair. Wer möchte nicht einen frisch geräucherten oder gefangenen Fisch fürs Abendessen mitnehmen? Besonders im Sommer ist der Yachthafen gut besucht. Spielende Kinder, Badegäste und viele Urlauber kommen per Boot nach Gedser.
Ausserhalb Gedsers, auf dem Weg nach Nykøbing Falster findet man den Wallgraben "Svinehave", ein Überbleibsel des früheren Schlosses Getzor. Um 1500 diente es als Raststätte für die königlichen Gäste, die auf die Überfahrt über die Ostsee warteten. Getzor wurde nach und nach abgerissen. Heute sind noch Reste der Grundmauer erkennbar. Es befindet sich jedoch auf einem privaten Grundstück, kann aber mit Erlaubnis besichtigt werden.
Für den Besucher bieten sich auch Übernachtungsmöglichkeiten an. In Gedser befindet sich ein Hotel und am Yachthafen liegt der Ferienpark Gedser. Ferner gibt es in der Umgebung eine Vielzahl von Sommerhäusern Für weitere Informationen steht die Turist Information in Gedser gerne zu Verfügung.
Nun ist unsere Tour durch Gedser zu Ende. Hätten Sie geglaubt, dass so ein kleiner Ort so viel zum entdecken bietet?
Also beim nächsten Dänemark-Urlaub ist Gedser auf jeden Fall eine Reise wert. Ich wünsche viel Spaß dabei!
Interessante Links:
Hompage für Gedser (dänisch/deutsch/englisch)
Freiwilliges soziales Arbeiten /Kontaktstätte in Gedser (dänisch)
Sydfalster Kommune (dänisch)
Sydfalster Ökomuseum (dänisch)
Die Autorin: Maybritt Hansen ist in Gedser aufgewachsen, hat dort 18 Jahre verbracht. Ein Großteil ihrer Familie lebt noch dort. Sie denkt gerne an die Zeit zurück und kehrt immer wieder als Urlauberin zurück.
Alle Fotos sind freundlichst von Gedser.net ausgeliehen. Vielen Herzlichen Dank an Niels Bjerre
