"Pauken und ein strenger Lehrer"

Jens Riis Bojsen

 

Deutsch hat ein schlechtes Image, und dies ist einer der Gründe dafür, daß viel zu wenige Lehrer-Studenten an den pädagogischen Hochschulen in Dänemark Deutsch als eines ihrer Hauptfächer wählen. - Was ist schief gegangen, und wie kann es gelöst werden, wird von einer Gruppe an der pädagogischen Hochschule Blaagaard Statsseminarium diskutiert.

Es wird ein großer Mangel an Deutschlehrern entstehen, wenn die Entwicklung so weitergeht, hat die Zeitschrift der dänischen Gewerkschaft der Volksschullehrer "Folkeskolen" Nr. 1-2 2000 herausgefunden.

"Deutsch wird mit einem steifen Unterricht verbunden, mit einer scharfen Lehrerin, die ihr Haar in einen Knoten trägt, mit Kostüm und Brille, die an einer Schnur um den Hals hängt. - Keiner sagt: "Oh, wie toll, daß du Deutsch gewählt hast"", sagt Karen Bacher Nielsen.

Leiter der pädagogischen Hochschulen fürchten die Entwicklung: "Das Lehrerstudium fordert viel, und Viele wählen Fächer, die weniger fordern", sagt der Vorsitzende der Direktorenversammlung der pädagogischen Hochschulen Per Frimer-Larsen zu "Folkeskolen". Nach einer neuen Studienordnung sollen die Lehrerstudierenden Hauptfächer innerhalb von mindestens zwei der drei Fach-Hauptgebiete, der naturwissenschaftlichen, praktisch-musischen und humanistischen Fächer, haben. Die Bestimmung soll eine fachliche Allseitigkeit sichern, aber der Vizedirektor Erik Nielsen von der PH in Silkeborg befürchtet, daß Viele ein Fach, das weniger theoretisches Wissen erfordert, innerhalb des Gebietes wählen, z.B. Gesellschaftslehre statt Deutsch.

Der Mangel an Deutsch-Lehrern kann so groß werden, daß diese Lehrer nur dazukommen, in diesem einen Fach zu unterrichten und nicht in irgend einen anderen.

 

Aus welchen Gründen wählen Lehrerstudierende nicht Deutsch?

"Ich kenne zwei, die daran zweifelten, ob sie gut genug waren", sagt Monica Aagaard Hulstrøm. - "Das Hauptfach dauert nur zwei Jahre an der PH, und viele haben Angst, daß sie nicht genug Zeit haben, ausreichend viel zu lernen", fügt Gitte Kjeldsen hinzu. - PH-Dozentin Elin Ekmann, die die Gruppe in Deutsch unterrichtet, fügt hinzu, daß sie selbst seinerzeit aus den gleichen Gründen Französisch nicht wählte.

"Ich glaube, daß es einige bestimmte Typen sind, die Lehrer werden wollen. Sie lieben es, sich vor einer Versammlung zu entfalten - und aus diesem Grund haben sie viel mehr Lust zu praktisch-musischen Fächern", meint Gitte - " ... und deshalb wollen sie nicht mit einem Fach, daß viel theoretisches Wissen verlangt, herumpusseln", fügt Monica hinzu.

 

Ist Deutsch das einzige Fach mit diesem Problem?

"Dies betrifft auch Physik unter den Schülern der Volksschule und der Jugendausbildungen", kommt es prompt von Monica. - "Und auch Mathe", fügt sie hinzu.

 

Hat es nicht große Bestrebungen gegeben, den Deutsch-Unterricht interessant zu machen?

"Es gibt weiterhin viele Rückstände in der Volksschule und in den Gymnasien", sagt Karen. "Deutsch ist nicht so populär, viele haben schlechte Erfahrungen aus der Volksschule - Grammatik, Grammatik, Grammatik ... !"

"Wenn man einen Super-Unterricht gehabt hat, ist man interessierter. Aber es fehlt an qualifizierten Deutschlehrern in der Volksschule, und viele Lehrer, die Deutsch unterrichten, haben es nicht als Hauptfach an der PH gehabt", sagt Karen.

Elin Ekmann: "In den 80´er Jahren kamen viele neue pädagogische Initiativen innerhalb des Faches Deutsch. Man wollte jetzt viel eher Deutsch-Sprechen fördern. Ich befürchte jedoch, daß viele Schüler enttäuscht wurden, wenn sie erlebten, daß es trotzdem bei einer Reise in Deutschland nicht ganz ausreichte - hier konnten die Deutschen stattdessen Englisch sprechen".

 

Es soll viel luster werden

Trotzdem ist das der Weg, den man gehen sollte, meinen Gitte, Karen und Monica:

"Wir waren zwei fröhliche PH-Mädchen, die eine 9. Klasse unterrichteten", erzählt Gitte. - "Wir entfalteten uns richtig, trotzdem hat es kaum einen Eindruck auf die Schüler gemacht. - Was soll getan werden, damit der Deutsch-Unterricht gut wird, fragten wir. "Deutsch ist gut", behaupteten die Schüler, "aber wir wollen mehr Deutsch sprechen!" - Die Konklusion ist, daß der Unterricht nicht zu sehr um den Lehrer zentriert sein darf, die Schüler müssen eine viel aktivere Rolle spielen, von Anfang an mit dabei sein".

Monica: "Wir sollen eine Deutsch-Stunde über eine Modenschau gestalten. Was heißt ein Strumpf auf Deutsch? - Wir müssen in den zoologischen Garten gehen, eine Gruppe muß über die Löwen sprechen .. "

Karen: "Die pädagogische Erneuerung muß weitergehen. Der Unterricht kann viel lustiger werden. Alle "Altlasten" müssen beseitigt werden, es mag sein, daß eine neue Lehrergeneration notwendig ist, aber erst dann kann Deutsch ein neues Image bekommen".

 

© April 2000 Tysk.dk