Mein Mann sagt, alles viel zu viel und viel zu lang. Egal ... der Urlaub ist nie lang genug ... wie soll es denn da ein Urlaubsbericht sein? Außerdem bin ich eine Frau und fasse mich selten kurz
Samstagmorgen 9.9., 4 Uhr. Handy klingelt ... endlich aufstehen. Vor dem Bad, Kaffeemaschine anschmeißen. Dann eine kleine Pipirunde mit dem Hund. GöGa wecken. Es ist 4.30. Der Sohn kommt heim. Naja, mit bald 20, ist das wohl erlaubt, die alten Herrschaften beim Heimkommen in den Urlaub zu verabschieden ...

Also zu Dritt noch einen Kaffee und ein Minifrühstück. Der Hund auch: Hüttenkäse, wie immer. Bis dann noch der Rest im Auto ist ... 5.15. A1 in Richtung Bremen, Anschlussstelle Volmarstein ... und ab geht es. Das neue Auto fährt gut, aber es kennt den Weg noch nicht alleine. Also bleiben wir wach. Zwei, drei Pausen ... wegen dem Hund natürlich ... immer der Hund ... . Es ist viel Verkehr, aber glücklicherweise kein Stau.
Endlich die Grenze ... noch 1 Stunde. Dann die alljährliche Wette: Wer sieht die Brücke zuerst? Wie war das noch, vor Fredericia oder dahinter??? Ahhh, da ist sie, ich gewinne, wie immer. Gewinne aber nix, nur das Recht, auch wie immer. Wir kommen näher und fahren auf. D.h. runter vom Regenbogen und rauf auf die Brücke. Es ist 12.30 exakt. Wir fahren unter die Brücke auf die große Wiese. Na klar, wegen dem Hund. Der freut sich schlapp ... rast wie ein Wilder im Kreis (kommt bei Chows sonst nicht so vor). Er ist glücklich. Wir sind es auch. Angekommen!!! Zu Hause. Nach einem feinen Spaziergang an der guten Luft, sie ist warm aber frisch, am Wasser rieche ich schon etwas Fischiges ... dann fahren wir nach Middelfart zum Kvickly, machen den ersten Einkauf. Ihr kauft das auch alles ein ... deshalb schreibe ich es nicht noch mal auf. Dann setzen wir uns in die Cafeteria und nehmen Fischfilet mit Pommes. Die Pommes wie immer ein bisschen versalzen, das Fischfilet, es sind immer zwei, natürlich viel zu viel mit der Remoulade und überhaupt ... es ist Urlaub. Noch einen Kaffee hinterher. Ach ... herrlich! Oh, schon gleich 14.45. Schlüssel holen. Und dann stehen wir vor unserem Haus. Es ist wie im letzten Jahr, ganz wunderbar. Es gibt sogar neue Rollenliegen und neue Teak-Gartenmöbel. Schick!
Erstmal noch einen Kaffee aufsetzen. Ich hab Himbeerschnitten gekauft. Draußen Kaffeetrinken. Wespeneinfall!!!!!!!!!!! Da bin ich allergisch. Also drinnen weiter Kaffeetrinken. Dann auspacken und alles fein machen. Abends wollen wir gar nicht ins Bett. Es ist alles so schön und so gemütlich. Da wir dieses Mal ganz alleine sind (mit Hund), dürfen wir das große 12 qm Schlafzimmer haben! Die Einzelbetten schieben wir zusammen ... damit jeder nicht so alleine ist. Lei, der Hund, schläft davor. Wer am lautesten schnarcht, weiß ich nicht ... ich schlafe!
Am ersten Morgen aufstehen. Es ist so gegen 8. Die Sonne scheint schon vom wolkenlosen knallblauen Himmel und ich laufe im Schlafi draußen rum, mache den Hund im Garten an die neue und hoffentlich haltbare Voltigierleine und bereite das Frühstück. Bis Mittags am Frühstückstisch ... was machen wir heute? Zeitungen besorgen und dann: Nix ... ich probiere die Rollenliege und erstmals ein Hörbuch. Ein Krimi. Ich schlafe ein, obwohl er gut ist, der Krimi. Irgendwann koche ich ein Mittagessen, mache das zweite Kaffeetrinken drinnen zurecht ... und um 18 Uhr stehe ich dann von meiner Liege auf, weil der Krimi zu Ende ist und die Sonne bald unter geht. Es war ein herrlicher Tag. Auch wenn nicht viel los war.
Von diesen Tagen gab es noch mindestens 10. Dann gab es noch den, an dem wir in Odense auf Shopping- und Besichtigungstour waren, den, den wir in Bogense verbrachten und einen bei dänischen Freunden in Roerslev. Wir waren oft in Middelfart am Hafen und in Fredericia am Strand. Dort gibt es jetzt nette kleine Cafés, die zum Verweilen einladen ... draußen sitzen, Aussichten und herrlichstes Wetter genießen.
Am Ende der ersten Woche kommt eine echte Hiobsbotschaft. Ich weiß nicht, ob ihr der Presse entnommen habt, dass hier bei uns in Wetter a.d. Ruhr am 20.8. ein 15-jähriges Mädchen erstochen wurde. Jetzt ist der Täter offenbar gefasst. Es ist ein 19-jähriger Abiturient. Er ging mit unserem Sohn in den Kindergarten und in die Grundschule. Ich kenne die Mutter seit vielen Jahren. Wir sind fassungslos und können von nichts anderem sprechen. Ich denke an das junge, hoffnungsvolle Leben, das auf solch brutale Weise genommen wurde. Ich denke an ihre Eltern, die von einer Feier heimkommen und ihr sterbendes Kind im Hause vorfinden. Ich denke auch an den Jungen, auch er ein hoffnungsvolles, junges Leben, gerade Abi gemacht, was war mit ihm los an dem Abend? Ich denke auch an seine Eltern, deren einziges Kind er ist. Nun sitzt er in Bochum in U-Haft. Er sagt nichts. Aber alle Indizien sprechen gegen ihn. Die Gedanken lassen uns nicht los und immer wieder sprechen wir darüber. Aber Abgrenzung tut Not und ist manchmal wichtig.
Mein Mann sagt, das passt alles nicht in einen Urlaubsbericht. Das stimmt ja auch, aber es war eben zu dieser Zeit und hat mich/uns sehr beschäftigt, auch in DK.
Dort haben wir jetzt erstmals in unserer Ferienhaussiedlung viele Hinweisschilder gefunden, die zur Nachbarschaftshilfe aufrufen, ich denke, es geht darum, dass jeder mal auf jeden achtet ... wahrscheinlich stehen die Schilder da auch nicht ohne Grund. Zum ersten Mal habe ich also immer alle wichtigen Dinge mitgeschleppt, wo auch immer wir waren. Das war komisch in DK.
In der zweiten Woche wurde das Wetter etwas bedeckter. Aber es regnete nicht und wurde auch nicht kalt. Ab Donnerstag dann wieder Traumwetter. Ein bisschen habe ich sie aber doch vermisst: Die dicken weißen Wolken, die sich manchmal vor die Sonne schieben und ich überlege, soll ich die Decke nehmen oder lohnt es sich nicht.
Ich habe das Gefühl, nicht genug unternommen zu haben. Aber ist auch egal. Dann denke ich: 14 Tage sind wirklich nicht genug. In der zweiten Woche hast du den Kopf schon wieder „im Koffer“ ... mein Mann sagt, so bin nur ich, er hat das nicht. Klar, der packt ja auch keinen Koffer.
Am Freitag um 18 Uhr dann ist mein Urlaub auf einmal zu Ende, weil die Sonne verschwindet und ich meine Liege wegstelle und die Polster in den Annex räume, um sie in diesem Jahr dort nicht mehr heraus zu holen. Am Abend sind wir still, jeder für sich ein bisschen traurig. Es war doch so schön, so ruhig und gemütlich. Und auch seit vielen Jahren mal wieder so was wie eine echte Zeit zu Zweit. Ist man doch fast 20 Jahre lang mehr Eltern als Ehepaar gewesen ...
Der Hund darf bis 21 Uhr noch draußen bleiben, dann wird auch die Gartenleine eingerollt, die einen sehr guten Dienst getan hat. Glücklicherweise gab es keine besonderen Vorkommnisse.
Das Einzige, was wir uns am Ende des Urlaubs dachten ... niemals Laminat in die Wohnung. Das ganze Ferienhaus ist mit Laminat ausgelegt. Wenn er Hund dann nachts seine Liegestätten wechselt, klickert er immer über den Boden ... und wir beide wurden davon ständig wach. Na so was ... !!! War uns im letzten Jahr gar nicht so aufgefallen.
Wir verlassen das Haus Samstagmorgen um 4 und fahren nach der Beltbrücke wieder auf unseren Regenbogen auf und sind nach flotter Fahrt mit weniger Verkehr um die Mittagszeit daheim. Dort warten 15 Maschinen Wäsche auf mich. Der Zustand der Wohnung war allerdings in diesem Jahr schon wesentlich besser und es hat sich auch kein Nachbar beschwert. Na bitte, wird doch langsam was mit dem Erwachsenwerden.
Ja, so war das in DK. Ihr seht, wieder kein spektakulärer Bericht, aber eine gute Erholungs- und Erfrischungszeit für Körper, Seele und Geist. Der Regenbogen ist jetzt lang, aber wie Moni schon sagt, ich habe ja euch. Ich werde jetzt so nach und nach die Fotos bearbeiten und euch dann Bescheid sagen, wer gucken möchte, bekommt den Link per pn.
Ach ja, und für alle Hörbuchfans ... . Ich war das bisher nicht und werde wahrscheinlich auch nicht wirklich einer werden. Neben einigen anderen Dingen, wie ... noch mal schnell ein paar Zeilen zurück lesen oder noch mal blättern, wer war das noch??? ... fiel mir ganz besonders auf, dass ich etwas ganz schwer vermisst habe und zwar die Geräusche, die ich in DK so ganz besonders liebe. Möwenkreischen, Meeresrauschen, Wind in den Bäumen, Fliegensummen ... . Wenn ich sonst mit meinem Buch auf der Liege bin, halte ich immer mal inne, schließe die Augen und genieße diese Geräusche, verbinde sie mit den Gefühlen auf der Haut und versuche das irgendwo in mir abzuspeichern, damit ich es mindestens ein Jahr lang abrufen kann. Von daher ... Hörbuch nur noch, wenn das Wetter nicht so gut ist und ich drinnen lese.
Meine Bank am Strand war auch noch da. Ich habe sie in diesem Jahr weniger gebraucht. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Und alles andere, was ich nicht wieder mit heim nehmen wollte, ist mit der einen oder anderen Welle fortgeschwommen und ich hoffe, dass es dann irgendwo untergegangen ist und nicht wieder kommt.
Jetzt, schon eine Woche wieder zu Hause, fühlt sich der Urlaub vollkommen unreal an. Wie ein Film. Und ich bin etwas traurig, weil ich denke, was ich schon so oft gedacht habe ... ich hätte das alles so gerne noch ein bisschen festgehalten, es ist schon wieder viel zu weit weg.
Jetzt wünsche ich mir, dass ich spätestens im Januar wieder einen DK-Urlaub buchen kann. Bis dahin habe ich erst mal euch, das Forum und sicher ganz bald auch wieder Forumsborg.
Eure Aphe